🗳️ Noch 40 Tage bis zur OB-Wahl in Offenburg · 11. Oktober 2026
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Wahlprogramm 2026

Ein Handlungsprogramm für eine lebenswerte, klimafeste und gerechte Stadt. Parteilos. Aus der Stadtgesellschaft.

Einleitung: Warum dieses Programm?

Offenburg steht an einer Schwelle. Die Stadt hat großes Potenzial: zentrale Lage, starke Wirtschaft, exzellente Hochschule, engagierte Bürger. Doch viele drängenden Fragen werden aufgeschoben: Wie gehen wir mit Hitze und Trockenheit um? Wo und wie bauen wir bezahlbar? Wie schaffen wir Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger? Wer wird gehört, wenn Entscheidungen hinter verschlossenen Türen fallen?

Dieses Programm basiert auf drei Prinzipien:

  • Zusammenhang statt Zersplitterung: Klima, Wohnen, Wirtschaft und Verkehr sind verflochten. Was in einem Bereich entschieden wird, wirkt auf alle anderen.
  • Langfristigkeit statt Wahlzyklen: Mit der 10-10-10-Methode fragen wir: Welche Wirkung hat diese Entscheidung in 10 Wochen, 10 Monaten, 10 Jahren?
  • Beteiligung statt Verordnung: Die besten Entscheidungen entstehen, wenn Menschen einbezogen sind. Das ist gerechter und wirksamer.

1. Die 15-Minuten-Stadt: Alles Wichtige in der Nähe

Das Versprechen

Alles Wichtige in 15 Minuten erreichbar – zu Fuß, mit dem Rad oder dem Bus. In der Kernstadt und in jedem Ortsteil.

Warum?

Offenburg ist eine Stadt mit elf Ortsteilen. Wer dort wohnt, fährt zum Einkaufen, zum Arzt und zur Schule oft kilometerweit – und wer kein Auto hat, ist abgehängt. Die 15-Minuten-Stadt bedeutet deshalb nicht weniger Bewegungsfreiheit, sondern mehr Ziele in der Nähe. Kein Verbot, keine Zone, keine Schranke – sondern Nahversorgung, die wieder funktioniert.

Konkret heißt das:

  • Nahversorgung in jedem Ortsteil sichern: Laden, Arzt, Kita, Treffpunkt – was fehlt, wird je Ortsteil erfasst und gezielt angesiedelt.
  • Erdgeschosse beleben statt leerstehen lassen: Bei städtischen Flächen und Neubauten Läden, Praxen und Werkstätten im Erdgeschoss von Anfang an mitdenken.
  • Wege zwischen den Ortsteilen sicher machen: Durchgehende Rad- und Fußwege in die Kernstadt, damit 15 Minuten auch ohne Auto realistisch sind.
  • Angebote statt Verbote: Niemandem wird das Autofahren erschwert. Wer fahren will, fährt. Wer zu Fuß gehen will, soll es können.

Die 10-10-10-Perspektive

10 Wochen: Für jeden Stadtteil und Ortsteil erfassen, was in 15 Minuten erreichbar ist – und was fehlt.
10 Monate: Die drei größten Lücken schließen, gemeinsam mit Händlern, Ärzten und Ortschaftsräten.
10 Jahre: In jedem Ortsteil sind Einkauf, Betreuung, Gesundheit und Treffpunkt zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar.

2. Klimafeste Stadt: Handeln statt Aufschieben

Das Versprechen

Offenburg wird bis 2035 CO₂-neutral. Das ist nicht optional – das ist überlebenswichtig.

Warum?

Hitzewellen werden schlimmer, Flächen trocknen aus, Infrastruktur leidet. Wer in Städten lebt, ist zuerst betroffen – und am wenigsten verantwortlich. Deshalb: schnell handeln.

Konkret heißt das:

  • Massiv Bäume pflanzen: 1000 Bäume pro Jahr bis 2030 – natürliche Klimaanlagen.
  • Keine Versiegelung ohne Ausgleich: Neuer Parkplatz? Zwei müssen woanders entsiegelt werden.
  • Solaranlagen auf alle Dächer: Städtische Gebäude bis 2027, dann Förderung für private Häuser.
  • Grüne Finanzierung: Städtische Rücklagen in erneuerbare Energien, nicht in Fossilbrennstoffe.

Die 10-10-10-Perspektive

10 Wochen: Baumfällungen überprüfen, Hitzeaktionsplan starten und Entsiegelungsflächen benennen.
10 Monate: Erste Hitzeorte entsiegeln und beschatten, Förderprogramm für private Bäume starten. Die ersten 500 Bäume stehen.
10 Jahre: 10.000 Bäume, 30 Prozent Beschirmung und jedes Jahr 0,5 Prozent weniger Versiegelung.

3. Wirtschaft & Umwelt: Keine falschen Alternativen

Das Versprechen

Starke Wirtschaft und Klimaschutz sind kein Widerspruch. Fachkräfte kommen dorthin, wo das Leben schön ist.

Warum?

Der beste Standort ist keine Betoncity, sondern eine lebenswerte Stadt: mit guter Luft, Parks, Kultur und kurzen Wegen. Offenburg kann nicht mit Billig-Flächen konkurrieren – unsere Stärke ist die Lebensqualität.

Konkret heißt das:

  • Gewerbeflächen optimal nutzen: Bestandsverdichtung, Glasfaser und Homeoffice statt immer neuer Flächen.
  • Grüne Produktion fördern: Schnellere Genehmigungen und günstigere Flächen für klimafreundliche Betriebe.
  • Handwerk und Startups locken: Nicht nur Großkonzerne – kleine und mittlere Betriebe mit Perspektive.
  • Wasserwirtschaft schützen: Offenburg hat Quellen und Brunnen. Industrie ohne Verschmutzung.

Die 10-10-10-Perspektive

10 Wochen: Flächen, Leerstände und Energiepotenziale gemeinsam mit den Betrieben erfassen.
10 Monate: Beratung und Förderung für Energieeffizienz, Ausbildung und gemeinsame Flächennutzung starten.
10 Jahre: Mehr regionale Wertschöpfung, starke Fachkräftebindung und klimaverträgliche Gewerbegebiete.

4. Bezahlbares Wohnen: Für alle, nicht nur für Reiche

Das Versprechen

Wohnen ist ein Grundrecht. Eine Stadt ist nur lebenswert, wenn alle Menschen hier wohnen können.

Warum?

Wenn Mieten explodieren, gehen zuerst die fort, die es sich nicht leisten können: Schüler, Rentner, Handwerker. Die Stadt wird ärmer – an Menschen, an Vielfalt, an Kultur.

Konkret heißt das:

  • Genossenschaftliches Wohnen fördern: Kooperative Wohnprojekte mit gezielter Förderung.
  • Mietpreisbremse aktivieren: Offenburg beim Land als angespannten Wohnungsmarkt ausweisen lassen.
  • Leerstand besteuern: Leerstand bei gleichzeitiger Wohnungslosigkeit – nicht akzeptabel.
  • Keine Schleuderpreise: Öffentliche Grundstücke selbst bebauen oder in Erb-Pacht mit sozialer Bindung vergeben.

Die 10-10-10-Perspektive

10 Wochen: Städtische Flächen, Leerstände und laufende Wohnprojekte transparent erfassen.
10 Monate: Erste Konzeptvergaben an Genossenschaften und gemeinwohlorientierte Träger starten.
10 Jahre: Bezahlbarer Wohnraum wächst, Leerstand sinkt und städtischer Boden bleibt öffentlich.

5. Sichere Mobilität: Sicher für alle

Das Versprechen

Wer zu Fuß geht oder mit dem Rad fährt, sollte sicher sein. Kinder sollten allein zur Schule gehen können.

Warum?

Mobilität ist Teilhabe. Wer sich kein Auto leisten kann, ist abhängig. Sichere Wege sind ein Demokratie-Thema.

Konkret heißt das:

  • Sichere Schulwege: Sicherer Radweg, breite Gehwege und Tempo 30 dort, wo die Stadt zuständig ist.
  • Radwegenetz ausbauen: Durchgehende, sichere Achsen zur Hochschule und zu den Bahnhöfen.
  • Kein neuer Zubringer: Mehr Straßen heißt mehr Verkehr. Besserer ÖPNV reduziert Stau.
  • Einsatz fürs 365-Euro-Ticket: Beim Verkehrsverbund dafür werben, dazu ein städtischer Zuschuss.

Die 10-10-10-Perspektive

10 Wochen: Schulwege prüfen, Gefahrenstellen sofort sichern und Lücken im Wegenetz sichtbar machen.
10 Monate: Erste Schulwege durchgängig sichern und ein günstiges ÖPNV-Modell auf den Weg bringen.
10 Jahre: Deutlich weniger Autoverkehr. Sichere und attraktive Wege zu Fuß, mit dem Rad und dem ÖPNV.

6. Beteiligung & Transparenz: Die Stadt gehört allen

Das Versprechen

Politik sollte kein Spiel von Insidern sein. Entscheidungen entstehen im Austausch mit Bürgern, nicht gegen sie.

Warum?

Wenn Entscheidungen hinter verschlossenen Türen fallen, entstehen zwei Probleme: schlechtere Entscheidungen und Vertrauensverlust.

Konkret heißt das:

  • Gemeinderatsprotokolle online: Strukturiert, suchbar, mit allen Abstimmungsergebnissen.
  • Bürgerbeteiligung vor Entscheidungen: Vor dem Umbau fragen wir die, die den Ort nutzen – vor Ort und online.
  • Offene Sprechstunden: Jeden Montag, ohne Anmeldung, ohne Formalismus.
  • Solide Finanzen, transparent: Offenburg hat einen hohen Schuldenstand – wir müssen offen darüber sprechen.

Die 10-10-10-Perspektive

10 Wochen: Beschlüsse, Abstimmungen und Projektstände verständlich online veröffentlichen.
10 Monate: Bürgerräte, Bürgerbudgets und frühe Beteiligung in ersten Projekten erproben.
10 Jahre: Beteiligung ist Standard. Entscheidungen werden nachvollziehbar und gemeinsam vorbereitet.

7. Kultur & Identität: Das Herz der Stadt

Das Versprechen

Kultur ist nicht nur „Zusatzangebot“ – sie ist das Herzstück einer offenen, lebendigen Stadtgesellschaft.

Warum?

Kultur schafft Identität und verbindet Generationen, Lebenswelten und Menschen unterschiedlichster Herkunft. Aber die Szene arbeitet an der Belastungsgrenze: Räume werden teurer, Ehrenamt wird dünner, Förderung ist unsicher. Kultur verschwindet nicht mit einem Knall, sondern leise. Deshalb jetzt sichern.

Konkret heißt das:

  • Sichtbarkeit im öffentlichen Raum: Kunst und Kultur prägen das Stadtbild aktiv.
  • Tradition und Moderne: Bewährtes erhalten und zugleich Freiräume für neue Formate schaffen.
  • Kulturelle Vielfalt fördern: Von traditioneller bis zeitgenössischer Kultur.
  • Standortfaktor Kultur: Ein vielfältiges Angebot steigert unsere Anziehungskraft.

Die 10-10-10-Perspektive

10 Wochen: Kulturschaffende, Vereine und freie Initiativen an einen Tisch bringen.
10 Monate: Neue Kulturformate ermöglichen und bezahlbare Räume und öffentliche Flächen sichern.
10 Jahre: Kultur ist in allen Stadtteilen sichtbar, vielfältig und für alle zugänglich.

Finanzen & Umsetzung

Offenburg hat einen Schuldenstand von etwa 75 Millionen Euro. Das ist ein Problem. Aber es ist kein Grund zu sagen: „Wir können nichts tun.“

Einige Maßnahmen kosten Geld (Baum-Pflanzung, Radwege). Andere sparen Geld (ÖPNV-Integration spart Mobilitätskosten für Bürger). Wieder andere kosten im ersten Jahr, sparen aber später (Klimamaßnahmen vermeiden größere Schäden).

Konkret für die erste Amtszeit (2026–2030):

  • Jährlich 200.000 Euro für 1000 Baum-Pflanzungen
  • Jährlich 300.000 Euro für Radwege-Ausbau
  • Schuldenabbau: 2 Millionen Euro pro Jahr
  • Genossenschaftliches Wohnen: 500.000 Euro Anschubfinanzierung
  • ÖPNV-Pilotprojekt: 200.000 Euro städtischer Zuschuss

Das ist ambitioniert, aber nicht unrealistisch. Für eine Stadt dieser Größe ist es normal.

Schlusswort

Dieses Programm ist kein Versprechen, dass alles bis 2030 perfekt sein wird. Es ist ein Versprechen, in diese Richtung zu arbeiten – ehrlich, transparent, zusammen mit der Stadt.

Sprich mit deinen Nachbarn über dieses Programm. Was hältst du davon? Was fehlt? Diese Rückmeldungen helfen, es besser zu machen.

Deine Stimme am 11. Oktober 2026 – für ein gemeinsam gestaltetes Offenburg.

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